Aktivismus vs. Wissenschaft

Oft waren und sind es vor allem staatliche Maßnahmen, die in autokratischen Systemen die Freiheit der Wissenschaft aus ideologischen Gründen einschränken. In liberalen Demokratien übernehmen dagegen immer öfter Aktivisten und Lobbygruppen diese Rolle. So sah sich zuletzt die Berliner Humboldt-Universität gezwungen, einen öffentlichen Vortrag nach angekündigten Protesten abzusagen, wie unter anderem der Tagesspiegel und die Berliner Zeitung berichten. Die Biologin Marie-Luise Vollbrecht sollte zum Thema “Warum es in der Biologie nur zwei Geschlechter gibt” sprechen. Bereits in dieser Fragestellung sahen Kritiker jedoch offenbar einen Angriff auf die Rechte von Transpersonen. Andere Kommentatoren indes bezweifeln, ob eine solche Unterdrückung der Freiheit von Forschung, Lehre, Meinungsäußerung und Information dem eigentlichen Anliegen queerer Menschen hilft. Anstatt im Diskurs die Bildung eines gesellschaftlichen Konsenses zu befördern, könnte so gerade die Polarisierung der Debatte verstärkt werden.

Schmähplastik vor Gericht

In Spätmittelalter und Früher Neuzeit waren Sie weit verbreitet: Symbolische Darstellungen an und in Kirchengebäuden, die in teils drastischer Bildsprache gegen das Judentum hetzten. Die heutigen Christen tun sich schwer mit ihnen: Sollen sie als Zeugnisse der judenfeindlichen Vergangenheit ins Museum verbannt werden oder erst recht mahnend an ihrem Standort verbleiben, womöglich mit einer entsprechend kritischen Kommentierung? Seit Jahren betrifft dieser Streit besonders prominent die sogenannte “Wittenberger Judensau”. Wie unter anderem Berliner Zeitung und NZZ berichten, soll nun der Bundesgerichtshof entscheiden, ob das antijüdische Relief weiter an seinem Platz hängen darf. In den vorigen, landeseigenen Instanzen war eine entsprechende Klage gescheitert.

Doktortitel in der Krise

Die zahlreichen prominenten Fälle von Politikern, denen Plagiate in ihren Doktorarbeiten nachgewiesen wurden, sind nur die sichtbaren Anzeichen der grundsätzlichen Probleme des akademischen Betriebs. Zu diesem Schluss kommt die FAZ in einem Kommentar über systemische Mängel in der Annahme und Begleitung von Doktoranden an deutschen Universitäten. Eine organisatorische Anreizstruktur, die Fördermittel und Zuweisungen von der Anzahl, aber nicht von der Güte der Promtionen abhängig macht und die weitgehend alleinige Zuständigkeit des Doktorvaters oder der Doktormutter führten demnach zu immer mehr Dissertationen die bei genauerer Prüfung thematisch irrelevant, fachlich schwach oder im schlimmsten Fall wissenschaftlich unsauber seien.

Armut im Studium

Studieren in Deutschland bedeutet ein enormes persönliches Armutsrisiko. Nach aktuellen Berechnungen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes hat fast jeder dritte Student weniger als 60% des mittleren Einkommens zur Verfügung und ist damit statistisch gesehen von Armut betroffen. Wie Deutschlandfunk Kultur, TAZ und andere Medien berichten, sind vor allem steigende Wohnkosten und Lebensmittelpreise ein Problem. Im Ergebnis trägt die prekäre finanzielle Lage im Studium weiter dazu bei, dass junge Menschen aus ärmeren und bildungsfernen Familien eine noch schlechtere Chance haben, durch Bildung einen sozialen Aufstieg zu schaffen. Studierendenverbände fordern daher eine Erhöhung der BaFöG-Sätze sowie die Umwandlung der staatlichen Hilfen vom derzeitigen Darlehenssystem in einen Vollzuschuss.

Kirche: Krise und Relevanz

Nicht nur die Kirche braucht Mitglieder, auch die Gesellschaft braucht nach wie vor die Kirche – davon ist Anna-Nicole Heinrich, Präses der Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands, überzeugt trotz sinkender Mitgliedszahlen und immer weniger allgemeinem Interesse an kirchlichen Botschaften. Im Interview mit dem Deutschlandfunk sagte sie, als Christin komme man letztlich besser durch das Leben und vor allem durch Krisen. Gerade in politischen Spannungssituationen wie dem Krieg in der Ukraine, könne die Verkündigung der Kirche helfen, im moralischen Dilemma handlungsfähig zu bleiben.

Christlich-Muslimischer Dialog an der HU

Den Dialog zwischen den Religionen fördern – das ist eines der wichtigsten Ziele des neuen Inhabers der Nikolaus-Cusanus-Professur am Zentralinstitut für Katholische Theologie an der Humboldt-Universität Berlin. Professor Felix Körner SJ sieht dazu gerade in Berlin gute Bedingungen, wo Katholiken und Muslime jeweils eine Minderheit in ähnlicher demographischer Größe bilden. Wie er dem Portal Qantara sagte, gehe es für beide Gemeinschaften auch darum, Impulse in Richtung Politik zu geben, ohne dabei das Gewaltmonopol des Staates infrage zu stellen. Konkret beteiligt Körner auch islamische Lehrende an seinen Lehrveranstaltungen, um seinen Studenten von Anfang an die Möglichkeit eines authentischen interreligiösen Austausches zu geben.

Unsichere Uni-Karrieren

Die Schweiz gehört zu den Ländern mit den höchsten Löhnen und Gehältern weltweit, doch Karrieren in der Wissenschaft stellen oft ein unkalkulierbares Risiko dar – ähnlich wie auch in Deutschland. Wie Forscher in einem Gastbeitrag in der Neuen Zürcher Zeitung kommentieren, gefährde das nicht nur die persönlichen Lebenschancen der Betroffenen, sondern auch die Qualität der Wissensproduktion und -vermittlung insgesamt. Daher gibt es nun eine nationale Petition, die von der Politik die Schaffung einer hinreichenden Zahl unbefristeter Stellen im Wissenschaftsbetrieb fordert. Dies soll jungen Forschern eine verlässliche Planung ihrer Laufbahn erlauben und langfristige Projekte ermöglichen.

Studieren in Ostdeutschland

Seit den Neunzigerjahren warben die zum Teil gerade erst gegründeten Hochschulen in den Neuen Bundesländern auch stark um Studienanfänger aus der dem Westen. Die Kommunen lockten mit Wohnsitzprämien und günstigen Mieten, die akademischen Einrichtungen mit neuer Ausstattung und guter Betreuung. Dass von solchen Versprechen in der Realität nicht alle Umzugswilligen profitierten, beschreibt eine sehr persönliche Kolumne in der FAZ. Auch und gerade wieder rund dreißig Jahre nach der Wiedervereinigung Deutschlands gibt es an den Bildungsstandorten im Osten der Bundesrepublik viel zu tun.

Plagiat und Politik II

Die öffentlichen Kontroversen um die wissenschaftlichen Leitungen prominenter Politiker lösen immer wieder auch Rückfragen an den akademischen Betrieb aus. Im Gespräch mit dem Deutschlandfunk geht Sabine Kunst, Präsidentin der Humboldt-Universität Berlin, jedoch davon aus, dass die bekannten Fälle nicht repräsentativ für wissenschaftliche Qualifikationsarbeiten allgemein seien. Ihrer Ansicht nach seien Täuschungsversuche in der Praxis sehr selten und die Professoren in aller Regel in der Lage, die eingereichten Arbeiten kritisch und zutreffend zu bewerten. Warum es dennoch immer wieder zu ganz offensichtlichen Plagiaten kommt, die teils erst lange nach der abschließenden Beurteilung entdeckt werden, blieb in ihrer Stellungnahme offen.

1700 Jahre jüdisches Deutschland

Niemand weiß mit Sicherheit, seit wann Juden im Gebiet des heutigen Deutschlands leben, doch der erste dokumentierte Beleg ist exakt 1700 Jahre alt: Ein Dekret Kaiser Konstantins an den Stadtrat von Colonia (dem heutigen Köln) lässt jüdische Bürger offiziell zu öffentlichen Ämtern zu. Diese Quelle aus dem Jahr 321, zugleich der älteste Nachweis jüdischen Lebens nördlich der Alpen, gibt Anlass zum Jubiläumsjahr 2021, über das u.a. der Deutschlandfunk und der Tagesspiegel berichten. Trotz der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie sind vielerorts Sonderausstellungen geplant, die die wechselhafte Geschichte der Juden von der Spätantike bis zur Gegenwart in den Blick nehmen.