Klassismus im Bildungssystem

Der Bildungserfolg hängt nicht nur in Deutschland stark von der sozialen Herkunft ab. Wie der Deutschlandfunk Kultur berichtet, wird dieser Zusammenhang zunehmend genauer erforscht und dabei auch klar als Form der Diskriminierung benannt. Menschen aus armen Familien haben nicht nur geringere zeitliche und materielle Ressourcen, um sich auf Ausbildung und Studium konzentrieren zu können, sie begegnen zudem negativen Vorurteilen und und verfügen oft nicht über nützliche persönliche Beziehungen. Doch auch wo über Diversität gesprochen wird, wird bislang meist nur an Merkmale wie Geschlecht, Ethnie oder Behinderung gedacht, nicht aber an den sozialen Hintergrund.

Wissenschaftlichkeit oder Moral?

Eine zunehmende Dominanz moralischer Maßstäbe im Lehrbetrieb der Hochschulen beklagt Maria-Sibylla Lotter in der Neuen Zürcher Zeitung. Statt dem Kriterium der Wahrheit gehe es auch in Forschung und Lehre immer mehr darum, wer sich durch bestimmte Aussagen verletzt  oder welche gesellschaftlich benachteiligte Gruppe sich diskriminiert fühlen könnte. Diese wohlmeinende Rücksichtnahme, so die Philosophin, führe mitunter zu Sprechverboten und gefährde dadurch die Freiheit der Wissenschaft. Den dadurch vermeintlich Geschützten sei jedoch letztlich ebenso wenig geholfen: Statt zu selbstbestimmten Akteuren zu werden, würden sie immer nur weiter in der Rolle ohnmächtiger Leidtragender bestärkt.

Buchverlage unter Druck

Ein vielfältiges Angebot hängt auch auf dem Buchmarkt von der Vielzahl der Anbieter ab. Doch kleine Verlage haben es in den letzten Jahren immer schwerer, wie u.a. Deutschlandradio Kultur berichtet. Dabei sind Künstler und Wissenschaftler, die kein Massenpublikum bedienen, oft gerade auf kleine, spezialisierte Verlage angewiesen. Doch der allgemeine Preisdruck und die Marktmacht der großen Konkurrenten führt dazu, dass sich kleine Auflagen oft gar nicht mehr rechnen. Eine gezielte Förderung durch den Staat könnte hier helfen, ist aber zur Zeit noch nicht in Aussicht.

Afrikanische Kirchen als Träger sozialer Entwicklung

Eine klassische eurozentristische Perspektive sah das subsaharische Afrika in Sachen Religion lange Zeit fast ausschließlich als Missionsgebiet. Doch auch wenn europäische Kirchen in kolonialistisch und imperialistisch geprägten Epochen großen Einfluss hatten und noch heute haben, sind afrikanische Gesellschaften bei weitem nicht nur Objekte einer von außen bewirkten Christianisierung. In Ihrer Abschlussarbeit zum Thema “African Initiated Churches (AICs) in Townships of South Africa” beschäftigt sich Nora Milena Vehling daher insbesondere mit kirchlichen Gemeinschaften, die von Einheimischen selbst gegründeten wurden. Ihre Fallstudie untersucht dabei im Einzelnen die südafrikanische Gilgal Bible Church und deren Position in den lokalen gesellschaftlichen Strukturen sowie ihr Potenzial als soziale Entität für eine nachhaltige Entwicklung.

Entwicklung, Religion und Ästhetik

Religiöse Bewegungen und Gemeinschaften werden in der Forschung zunehmend als wichtige Faktoren in der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung einer Gesellschaft erkannt. Für ihre Abschlussarbeit zum Thema “Structured Experience: About the Relationship between Aesthetic and Religious Experience in the Context of Sustainable Development” hat sich Tamara Dauenhauer besonders mit zwei Freikirchen in Südafrika beschäftigt. Die Beschreibung, wie solche kirchlichen Akteure insbesondere durch die Vermittlung von Werten auf ihre Mitglieder einwirken, verbindet sie dabei mit der Frage nach der ästhetischen Repräsentation des gemeinschaftlichen Handelns.

Rechte und Pflichten der Menschheit bei Simone Weil

Edmund Husserl, der Mitbegründer der Phänomenologie, und Simone Weil, eine der originellsten Denkerinnen des frühen 20. Jahrhunderts, sind besonders für die heuristische und epistemologische Dimension ihrer Ideen bekannt. Doch auch ethisch und politisch enthalten ihre jeweiligen Schriften Ansätze von großer Tragweite. Manuela Massa vergleicht in ihrer Dissertation die Vostellungen, die Weil und Husserl vom menschlichen Gemeinwesen entwerfen und die Perspektiven, die sich dadurch auf das Menschen- und Völkerrecht ergeben. Die Simone-Weil-Stiftung unterstützt Frau Massas Teilnahme an der Konferenz “Rethinking the meaning of Political crisis: Simone Weil, Edith Stein, Rosa Luxemburg” an der Universität von Ontario und ihren Vortrag über Simone Weils Ethik menschlicher Rechte und Pflichten.

Unfreiheit der Forschung

Die Freiheit von Forschung und Lehre ist ein Grundsatz der Wissenschaft, der gegen die Einflussnahme von Religion und Staat erkämpft wurde. Durch eine breite und dezentrale Finanzierung, die gerade nicht von Kirche oder Staat abhängt, gewinnt akademische Forschung folglich noch mehr Unabhängigkeit – oder gerade nicht? Wie die Soziologin Sandra Kostner im Deutschlandfunk Kultur erklärt, kann gerade die heute übliche Praxis der Drittmittelvergabe zu einer erheblichen Einschränkung der Wissenschaftsfreiheit bis hin zur Selbstzensur führen. Denn unter dem Druck, möglichst gefällige und vermarktbare Publikationen zu produzieren würden besonders heikle oder kontroverse Fragestellungen von vornherein vermieden.

Einsatz für Bildungschancen

Noch immer entscheidet in Deutschland die soziale Herkunft junger Menschen stark über ihren zu erwartenden Bildungserfolg. Das 2017 gegründete “Aelius Förderwerk” möchte mit Beratungs- und Weiterbildungsangeboten dazu beitragen, dass Studierende aus bildungsfernen oder einkommensschwachen Elternhäusern in Zukunft bessere Chancen haben. Wie Forschung und Lehre berichtet, wurde der Initiator des Förderwerks Sagithjan Surendra dafür vom Deutschen Hochschulverband und dem Deutschen Studentenwerk als Student des Jahres 2020 ausgezeichnet.

Erststudium nicht steuerlich anrechenbar

Wie u.a. die Frankfurter Allgemeine berichtet, können Steuerzahler die Kosten eines grundständigen Studiums nicht als Werbungskosten geltend machen. Das entschied nun das Bundesverfassungsgericht. Umstritten ist diese Regelung unter anderem, da spätere Weiterbildungen, also etwa auch ein Zweitstudium, durchaus steuerlich absetzbar sind. Für die allermeisten Studierenden macht die Abzugsfähigkeit während des Studiums zwar keinen Unterschied, da sie in der Regel ohnehin kaum einkommenssteuerpflichtig sind. Da Kosten jedoch grundsätzlich auch rückwirkend angerechnet werden können, würden sich immerhin beim Berufseinstieg Steuern sparen lassen, hätte das Gericht in letzter Instanz anders geurteilt.

KI vs. Plagiate

Dass Autoren auch in der Wissenschaft bisweilen versuchen, sich mit fremden Federn zu schmücken, ist nichts Neues. Digitalisierung und weltweite Vernetzung machen es womöglich noch leichter, fremde Leistungen als die eigenen auszugeben, doch auch die Möglichkeiten der Kontrolle werden besser. Wie die Frankfurter Allgemeine berichtet, haben Forscher eine Plagiats-Software entwickelt, deren Algorythmen nicht nur wortgleiche Übernahmen ausfindig machen, sondern auch inhaltliche und stilistische Kriterien prüfen können. Um die eigene wissenschaftliche Redlichkeit nachzuweisen, gibt es wiederum Tools, die den Entstehungsprozess z.B. eines Fachartikels mittels Zeitstempeln fälschungssicher dokumentieren.