Aktivismus vs. Wissenschaft

Oft waren und sind es vor allem staatliche Maßnahmen, die in autokratischen Systemen die Freiheit der Wissenschaft aus ideologischen Gründen einschränken. In liberalen Demokratien übernehmen dagegen immer öfter Aktivisten und Lobbygruppen diese Rolle. So sah sich zuletzt die Berliner Humboldt-Universität gezwungen, einen öffentlichen Vortrag nach angekündigten Protesten abzusagen, wie unter anderem der Tagesspiegel und die Berliner Zeitung berichten. Die Biologin Marie-Luise Vollbrecht sollte zum Thema “Warum es in der Biologie nur zwei Geschlechter gibt” sprechen. Bereits in dieser Fragestellung sahen Kritiker jedoch offenbar einen Angriff auf die Rechte von Transpersonen. Andere Kommentatoren indes bezweifeln, ob eine solche Unterdrückung der Freiheit von Forschung, Lehre, Meinungsäußerung und Information dem eigentlichen Anliegen queerer Menschen hilft. Anstatt im Diskurs die Bildung eines gesellschaftlichen Konsenses zu befördern, könnte so gerade die Polarisierung der Debatte verstärkt werden.