Lesen als Sabotage am Text

Der Akt des Lesens ist ein zentrales Element im Denken der Philosophin Simone Weil. Einen Text zu lesen, heißt immer auch, ihn zu verändern – und damit seinen ursprünglichen Sinn zu entstellen. Der Unmöglichkeit des Nicht-Lesens wiederum lässt sich nur eine möglichst große Anzahl sich gegenseitig überlagernder Lesarten entgegenstellen. In diesem Sinne haben Martina Bengert, Thomas Sojer und Max Walther vom Simone-Weil-Denkkollektiv einen experimentellen Ausfsatz erarbeitet, der diese vielfältigen Lektüren an einem beispielhaften “Sakraltext” nachzuvollziehen versucht. Der Künstler Thomas Hirschhorn kommentierte den Text wiederum mit “Kritzeleien”. Erkenntnisleitend war dabei auch Shulamit Brucksteins Idee des “Talmud-Denkens”. Mit Unterstützung der Simone-Weil-Stiftung konnte der Text in Übersetzung in der türkischen Kunst-und Kulturzeitschrift ArtUnlimited erscheinen.