Wissenschaftlichkeit oder Moral?

Eine zunehmende Dominanz moralischer Maßstäbe im Lehrbetrieb der Hochschulen beklagt Maria-Sibylla Lotter in der Neuen Zürcher Zeitung. Statt dem Kriterium der Wahrheit gehe es auch in Forschung und Lehre immer mehr darum, wer sich durch bestimmte Aussagen verletzt  oder welche gesellschaftlich benachteiligte Gruppe sich diskriminiert fühlen könnte. Diese wohlmeinende Rücksichtnahme, so die Philosophin, führe mitunter zu Sprechverboten und gefährde dadurch die Freiheit der Wissenschaft. Den dadurch vermeintlich Geschützten sei jedoch letztlich ebenso wenig geholfen: Statt zu selbstbestimmten Akteuren zu werden, würden sie immer nur weiter in der Rolle ohnmächtiger Leidtragender bestärkt.