1700 Jahre jüdisches Deutschland

Niemand weiß mit Sicherheit, seit wann Juden im Gebiet des heutigen Deutschlands leben, doch der erste dokumentierte Beleg ist exakt 1700 Jahre alt: Ein Dekret Kaiser Konstantins an den Stadtrat von Colonia (dem heutigen Köln) lässt jüdische Bürger offiziell zu öffentlichen Ämtern zu. Diese Quelle aus dem Jahr 321, zugleich der älteste Nachweis jüdischen Lebens nördlich der Alpen, gibt Anlass zum Jubiläumsjahr 2021, über das u.a. der Deutschlandfunk und der Tagesspiegel berichten. Trotz der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie sind vielerorts Sonderausstellungen geplant, die die wechselhafte Geschichte der Juden von der Spätantike bis zur Gegenwart in den Blick nehmen.

Konzentration in der Ausbildung von Priestern

Die Katholische Kirche in Deutschland erwägt eine grundlegende Strukturreform was die Ausbildung ihrer Priester angeht. Hatten bislang noch die meisten der 27 Bistümer einen eigenen Standort für die akademische Ausbildung ihrer Geistlichen, soll deren Gesamtzahl nun stark reduziert werden. Eine Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz legte dazu einen Vorschlag vor, der nur noch drei Seminare vorsieht, als deren Orte vorläufig München, Mainz und Münster genannt wurden. Reaktionen aus dem Bereich der deutschsprachigen universitären Theologie fielen vor allem kritisch aus, wie unter anderem die Tagespost und das Westfalenblatt berichteten.

Gendergap in der Theologie

Frauen haben es in der Katholischen Theologie weiterhin schwerer als Männer. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie der Universität Graz, wie unter anderem der Deutschlandfunk und das Kölner Domradio berichteten. Die Wissenschaftler untersuchten dazu unter anderem den Anteil, den weibliche Autorinnen an den Veröffentlichungen in deutschsprachigen Medien zu theologischen Themen ausmachen. Sowohl in Fachpublikationen als auch Veröffentlichungen für ein breiteres Publikum sind Frauen demnach noch immer unterrepräsentiert. Je nach Medium fällt der ermittelte Anteil weiblicher Verfasserinnen an den Artikeln mit 5 bis 37 Prozent dabei durchaus unterschiedlich aus.

Plagiat und Politik

Der Vorwurf an Bundesfamilienministerin Franziska Giffey, Teile ihrer Doktorarbeit enthalten Plagiate, steht seit Anfang 2019 im Raum. Noch immer berichten Deutschlandfunk Kultur, Netzpolitik.org und andere Medien über Rücktrittsforderungen. Weder ein internes Gutachten der Freien Universität Berlin noch die Ankündigung Giffeys, den akademischen Grad in Zukunft nicht mehr führen zu wollen, konnten die Debatte beenden. Wie auch in anderen prominenten Fällen muss die Wissenschaft nun erst recht zeigen, dass ihre Regeln klar und nachvollziehbar sind, und wo die Grenze zwischen seriöser Forschung und prestigeorientierter Titelproduktion verläuft.

Denkkollektiv Simone Weil

Angesichts des großen akademischen Interesses, das Simone Weil als Denkerin bis heute in verschiedenen Fachwissenschaften hervorruft, liegt der Nutzen einer interdisziplinären Vernetzung grundsätzlich nahe. Um Forschern verschiedener Institutionen und Fachrichtungen die Möglichkeit zu bieten, miteinander in Austausch zu treten und ihre Arbeit im Dialog weiter zu entwickeln, haben Martina Bengert (Berlin), Max Walther (Weimar) und Thomas Sojer (Graz/Erfurt) das Denkkollektiv Simone Weil gegründet. Gerade jungen Forschenden bietet es eine hervorragende Möglichkeit, ihre Ergebnisse einem Fachpublikum vorzustellen, sie zu diskutieren und zu anderen akademischen Arbeiten in beziehung zu setzen.

Studieren und COVID-19

Ein universitäres Studium ist mehr als nur das Ansammeln von Fachwissen. Traditionell gehört dazu auch der persönliche Austausch zwischen Lehrenden und Lernenden. Dieses Miteinander von Studenten, Tutoren, Forschern und Dozenten ist in Zeiten der Corona-Pandemie jedoch in Gefahr, wie u.a. der Tagesspiegel am Beispiel der Berliner Humboldt-Uni (HU) zeigt. Um wenigstens ein eingeschränktes Präsenzstudium zu ermöglichen, sollen womöglich Hörsäle umgebaut oder die Studierenden in zeitlich gestaffelten Kohorten unterrichtet werden. Letztlich wird jedoch trotz allem ein Großteil der Lehre in digitalen Formaten stattfinden. An der HU hofft man, auch so etwas wie Gemeinschaft online ermöglichen zu können.

Klassismus im Bildungssystem

Der Bildungserfolg hängt nicht nur in Deutschland stark von der sozialen Herkunft ab. Wie der Deutschlandfunk Kultur berichtet, wird dieser Zusammenhang zunehmend genauer erforscht und dabei auch klar als Form der Diskriminierung benannt. Menschen aus armen Familien haben nicht nur geringere zeitliche und materielle Ressourcen, um sich auf Ausbildung und Studium konzentrieren zu können, sie begegnen zudem negativen Vorurteilen und und verfügen oft nicht über nützliche persönliche Beziehungen. Doch auch wo über Diversität gesprochen wird, wird bislang meist nur an Merkmale wie Geschlecht, Ethnie oder Behinderung gedacht, nicht aber an den sozialen Hintergrund.

Wissenschaftlichkeit oder Moral?

Eine zunehmende Dominanz moralischer Maßstäbe im Lehrbetrieb der Hochschulen beklagt Maria-Sibylla Lotter in der Neuen Zürcher Zeitung. Statt dem Kriterium der Wahrheit gehe es auch in Forschung und Lehre immer mehr darum, wer sich durch bestimmte Aussagen verletzt  oder welche gesellschaftlich benachteiligte Gruppe sich diskriminiert fühlen könnte. Diese wohlmeinende Rücksichtnahme, so die Philosophin, führe mitunter zu Sprechverboten und gefährde dadurch die Freiheit der Wissenschaft. Den dadurch vermeintlich Geschützten sei jedoch letztlich ebenso wenig geholfen: Statt zu selbstbestimmten Akteuren zu werden, würden sie immer nur weiter in der Rolle ohnmächtiger Leidtragender bestärkt.

Buchverlage unter Druck

Ein vielfältiges Angebot hängt auch auf dem Buchmarkt von der Vielzahl der Anbieter ab. Doch kleine Verlage haben es in den letzten Jahren immer schwerer, wie u.a. Deutschlandradio Kultur berichtet. Dabei sind Künstler und Wissenschaftler, die kein Massenpublikum bedienen, oft gerade auf kleine, spezialisierte Verlage angewiesen. Doch der allgemeine Preisdruck und die Marktmacht der großen Konkurrenten führt dazu, dass sich kleine Auflagen oft gar nicht mehr rechnen. Eine gezielte Förderung durch den Staat könnte hier helfen, ist aber zur Zeit noch nicht in Aussicht.

Afrikanische Kirchen als Träger sozialer Entwicklung

Eine klassische eurozentristische Perspektive sah das subsaharische Afrika in Sachen Religion lange Zeit fast ausschließlich als Missionsgebiet. Doch auch wenn europäische Kirchen in kolonialistisch und imperialistisch geprägten Epochen großen Einfluss hatten und noch heute haben, sind afrikanische Gesellschaften bei weitem nicht nur Objekte einer von außen bewirkten Christianisierung. In Ihrer Abschlussarbeit zum Thema “African Initiated Churches (AICs) in Townships of South Africa” beschäftigt sich Nora Milena Vehling daher insbesondere mit kirchlichen Gemeinschaften, die von Einheimischen selbst gegründeten wurden. Ihre Fallstudie untersucht dabei im Einzelnen die südafrikanische Gilgal Bible Church und deren Position in den lokalen gesellschaftlichen Strukturen sowie ihr Potenzial als soziale Entität für eine nachhaltige Entwicklung.