Christlich-Muslimischer Dialog an der HU

Den Dialog zwischen den Religionen fördern – das ist eines der wichtigsten Ziele des neuen Inhabers der Nikolaus-Cusanus-Professur am Zentralinstitut für Katholische Theologie an der Humboldt-Universität Berlin. Professor Felix Körner SJ sieht dazu gerade in Berlin gute Bedingungen, wo Katholiken und Muslime jeweils eine Minderheit in ähnlicher demographischer Größe bilden. Wie er dem Portal Qantara sagte, gehe es für beide Gemeinschaften auch darum, Impulse in Richtung Politik zu geben, ohne dabei das Gewaltmonopol des Staates infrage zu stellen. Konkret beteiligt Körner auch islamische Lehrende an seinen Lehrveranstaltungen, um seinen Studenten von Anfang an die Möglichkeit eines authentischen interreligiösen Austausches zu geben.

Unsichere Uni-Karrieren

Die Schweiz gehört zu den Ländern mit den höchsten Löhnen und Gehältern weltweit, doch Karrieren in der Wissenschaft stellen oft ein unkalkulierbares Risiko dar – ähnlich wie auch in Deutschland. Wie Forscher in einem Gastbeitrag in der Neuen Zürcher Zeitung kommentieren, gefährde das nicht nur die persönlichen Lebenschancen der Betroffenen, sondern auch die Qualität der Wissensproduktion und -vermittlung insgesamt. Daher gibt es nun eine nationale Petition, die von der Politik die Schaffung einer hinreichenden Zahl unbefristeter Stellen im Wissenschaftsbetrieb fordert. Dies soll jungen Forschern eine verlässliche Planung ihrer Laufbahn erlauben und langfristige Projekte ermöglichen.

Lesen als Sabotage am Text

Der Akt des Lesens ist ein zentrales Element im Denken der Philosophin Simone Weil. Einen Text zu lesen, heißt immer auch, ihn zu verändern – und damit seinen ursprünglichen Sinn zu entstellen. Der Unmöglichkeit des Nicht-Lesens wiederum lässt sich nur eine möglichst große Anzahl sich gegenseitig überlagernder Lesarten entgegenstellen. In diesem Sinne haben Martina Bengert, Thomas Sojer und Max Walther vom Simone-Weil-Denkkollektiv einen experimentellen Ausfsatz erarbeitet, der diese vielfältigen Lektüren an einem beispielhaften “Sakraltext” nachzuvollziehen versucht. Der Künstler Thomas Hirschhorn kommentierte den Text wiederum mit “Kritzeleien”. Erkenntnisleitend war dabei auch Shulamit Brucksteins Idee des “Talmud-Denkens”. Mit Unterstützung der Simone-Weil-Stiftung konnte der Text in Übersetzung in der türkischen Kunst-und Kulturzeitschrift ArtUnlimited erscheinen.

Studieren in Ostdeutschland

Seit den Neunzigerjahren warben die zum Teil gerade erst gegründeten Hochschulen in den Neuen Bundesländern auch stark um Studienanfänger aus der dem Westen. Die Kommunen lockten mit Wohnsitzprämien und günstigen Mieten, die akademischen Einrichtungen mit neuer Ausstattung und guter Betreuung. Dass von solchen Versprechen in der Realität nicht alle Umzugswilligen profitierten, beschreibt eine sehr persönliche Kolumne in der FAZ. Auch und gerade wieder rund dreißig Jahre nach der Wiedervereinigung Deutschlands gibt es an den Bildungsstandorten im Osten der Bundesrepublik viel zu tun.

Theologische Ethik und Rassismuskritik

Das Werk des US-amerikanischen Theologen und Philosophen Reinhold Niebuhr (18921971) wird von der heutigen Theologie seit einiger Zeit mit erneutem Interesse gelesen und auf Impulse für die sozialen Fragen des 21. Jahrhunderts geprüft. Dennoch wurde es in der deutschsprachigen Forschung trotz einem allgemein großen Interesse an politisch anschlussfähiger public theology bislang nur wenig rezipiert. Diese Lücke möchte Dominik Gautier mit seiner Forschungsarbeit über “Die Ambivalenz des Realismus. Reinhold Niebuhrs theologische Ethik in rassismuskritischer Perspektive” schließen. Darin zeigt er unter anderem auch die Ambivalenz, die sich zum Teil zwischen Niebuhrs theoretischen Einsichten und seinem realen Verhältnis zur afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung feststellen lässt. Die Simone-Weil-Stiftung unterstützt die Publikation der Dissertationsschrift.

Plagiat und Politik II

Die öffentlichen Kontroversen um die wissenschaftlichen Leitungen prominenter Politiker lösen immer wieder auch Rückfragen an den akademischen Betrieb aus. Im Gespräch mit dem Deutschlandfunk geht Sabine Kunst, Präsidentin der Humboldt-Universität Berlin, jedoch davon aus, dass die bekannten Fälle nicht repräsentativ für wissenschaftliche Qualifikationsarbeiten allgemein seien. Ihrer Ansicht nach seien Täuschungsversuche in der Praxis sehr selten und die Professoren in aller Regel in der Lage, die eingereichten Arbeiten kritisch und zutreffend zu bewerten. Warum es dennoch immer wieder zu ganz offensichtlichen Plagiaten kommt, die teils erst lange nach der abschließenden Beurteilung entdeckt werden, blieb in ihrer Stellungnahme offen.

Islamische und christliche Mystik

Mystische Erfahrungen sind ein Phänomen, das in vielen Kulturen und Traditionen belegt ist. In ihrer Arbeit “Das Wirken und die Be/Deutung islamischer und christlicher Mystiker*innen des Mittelalters am Beispiel des Lebens und Werks Franz von Assisi – von interkulturellen Begegnungen zu interreligiösen Inspirationen” geht Deniz Korkmaz dieser interreligiösen Parallele nach. Ein wichtiger Aspekt ist dabei das Potenzial von Frieden und Verständigung des mystischen Erlebens, das über die Grenzen von Dogmatik und Orthodoxie hinausgeht. Im Zentrum der Betrachtung steht die Gestalt des Franz von Assisi, der im Christentum als Heiliger verehrt wird, und seine Begegnung mit dem Sultan al-Malik al-Kamil sowie die Gemeinsamkeiten, die zwischen seiner Spiritualität und der mystischen Tradition im Sufismus bestehen.

1700 Jahre jüdisches Deutschland

Niemand weiß mit Sicherheit, seit wann Juden im Gebiet des heutigen Deutschlands leben, doch der erste dokumentierte Beleg ist exakt 1700 Jahre alt: Ein Dekret Kaiser Konstantins an den Stadtrat von Colonia (dem heutigen Köln) lässt jüdische Bürger offiziell zu öffentlichen Ämtern zu. Diese Quelle aus dem Jahr 321, zugleich der älteste Nachweis jüdischen Lebens nördlich der Alpen, gibt Anlass zum Jubiläumsjahr 2021, über das u.a. der Deutschlandfunk und der Tagesspiegel berichten. Trotz der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie sind vielerorts Sonderausstellungen geplant, die die wechselhafte Geschichte der Juden von der Spätantike bis zur Gegenwart in den Blick nehmen.

Konzentration in der Ausbildung von Priestern

Die Katholische Kirche in Deutschland erwägt eine grundlegende Strukturreform was die Ausbildung ihrer Priester angeht. Hatten bislang noch die meisten der 27 Bistümer einen eigenen Standort für die akademische Ausbildung ihrer Geistlichen, soll deren Gesamtzahl nun stark reduziert werden. Eine Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz legte dazu einen Vorschlag vor, der nur noch drei Seminare vorsieht, als deren Orte vorläufig München, Mainz und Münster genannt wurden. Reaktionen aus dem Bereich der deutschsprachigen universitären Theologie fielen vor allem kritisch aus, wie unter anderem die Tagespost und das Westfalenblatt berichteten.

Gendergap in der Theologie

Frauen haben es in der Katholischen Theologie weiterhin schwerer als Männer. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie der Universität Graz, wie unter anderem der Deutschlandfunk und das Kölner Domradio berichteten. Die Wissenschaftler untersuchten dazu unter anderem den Anteil, den weibliche Autorinnen an den Veröffentlichungen in deutschsprachigen Medien zu theologischen Themen ausmachen. Sowohl in Fachpublikationen als auch Veröffentlichungen für ein breiteres Publikum sind Frauen demnach noch immer unterrepräsentiert. Je nach Medium fällt der ermittelte Anteil weiblicher Verfasserinnen an den Artikeln mit 5 bis 37 Prozent dabei durchaus unterschiedlich aus.